EINE GESCHICHTE DER GRENZE. WIE DER LIBERALISMUS AN DER GRENZE AN SEINE GRENZEN KOMMT

Francesca FALK, Universität Basel 

Weshalb Grenzen als gegeben betrachtet werden und liberale Gesellschaften wie selbstverständlich eines der wichtigsten Grundrechte, die Bewegungsfreiheit der Menschen, einschränken, untersucht Francesca Falk in ihrer soeben erschienenen Dissertation. Sie zeigt, wie Grenzen und Grenzpolitik entstehen und evident gemacht werden und wie sich die Legitimierung des Liberalismus von Beginn an auf das Konstrukt eines leeren Landes stützte, welches schon damals nicht existierte.

Das Thema der Grenz- und Migrationspolitik wird in einem Rückgriff auf die Bildlichkeit der politischen Theorie diskutiert. Was wird in Bezug auf Grenzen jeweils sichtbar gemacht, was nicht – und weshalb? Zentral in ihrer Arbeit sind Bilder, etwa von Bootsflüchtlingen, vom „leeren“ Land Amerika oder vom „vollen Boot“. Falk zeigt, wie Bilder das Denken über Migration prägen. Die Autorin schält so territoriale Grenzen aus Programmen von Sichtbarmachung und Transparenz, macht ihre Geschichtlichkeit erkennbar und zeigt sie als Bruchlinien unserer Gesellschaft, die Gewalt produzieren.

Erhellend wirken die in der Studie entwickelten Analysen auch für aktuelle Ereignisse, in der Schweiz beispielsweise für die kürzlich eingereichte Sans-Papiers-Petition, für die verschärfte Ausschaffungspolitik oder für die laufende, auf eine Strategie der Völle zurückgreifende Anti-Masseneinwanderungsinitiative.

Auch im europäischen Kontext sind Beispiele zu finden, die mit den von der Autorin geprägten Begriffen wie Grenzevidenz analysiert werden können, so beispielsweise die Diskussion um wieder einzuführende Grenzkontrollen und die sich dabei manifestierende Sehnsucht nach sichtbaren Grenzen.

Die Studie ist im Rahmen des Nationalen Forschungsschwerpunktes eikones an der Universität Basel entstanden. Francesca Falk arbeitet an der Zürcher Hochschule für Künste an einer Kulturgeschichte der Demonstrationen und hat an der Universität Basel verschiedene Lehraufträge inne.

Eine gestische Geschichte der Grenze. Wie der Liberalismus an der Grenze an seine Grenzen kommt, 1. Aufl. 2011, 192 Seiten, 12 s/w Abb., CHF 32.90, ISBN: 978-3-7705-5202-3.

Die Einleitung ist einsehbar unter: http://www.fink.de/uploads/tx_mbooks/9783770552023_Lesepr_01.pdf

Exil, Création Philosophique et Politique
Repenser l'Exil dans la Citoyenneté Contemporaine

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